Neuraltherapie

 Das Nervensystem reguliert alle lebenswichtigen Funktionen, wie Muskeltonus, Stoffwechsel, Durchblutung, Temperatur oder Organaktivität. Auch die ersten Gegenregulationen bei Störungen im Organismus laufen hier ab.

Es gibt einen nervlichen Zusammenhang zwischen Organen und bestimmten Körperpartien, die über die Haut beeinflussbar sind (cuti-visceraler Reflex).

Durch die Infiltration von örtlichem Betäubungsmittel in bestimmte Hautzonen, kann Einfluss auf das Nervensystem, und somit auf die Regelkreise ausgeübt werden.

Hierdurch können Fehlfunktionen des Organismus behoben werden.

Der Nutzen der Neuraltherapie ist durch eine große Anzahl von eindrucksvollen Heilerfolgen sowie klinischen Studien belegt.

 

 

Im Detail:

 

Bei der Neuraltherapie werden  örtliche Betäubungsmittel in Reflexzonen, Narben, Störfelder oder Schmerzbereiche injiziert. Meist wird das Mittel Procain verwendet. Zudem hat Procain den Vorteil, daß es den "Stressnerv" (Sympathikus) hemmt, eine antientzündliche Komponente besitzt und durchblutungsfördernd wirkt.

Procain wird am Injektionsort schnell in seine unschädlichen Bausteine zerlegt, die zum einen heilsame Wirkungen entfalten, zum anderen problemlos abgebaut und ausgeschieden werden können

 

 

Wie funktioniert Neuraltherapie?

 

Mit dem Einstich in die Haut beginnt eine Kaskade. Die spitze Verletzung durch die Nadel versetzt das direkt in der Umgebung befindliche Nervengeflecht und den dazu gehörigen übergeordneten Regelkreis in eine Stress-Situation. Es kommt zur Aktivierung von schmerzlindernden Nervenimpulsen oder zur Blockierung von schmerzleitenden Nervenimpulsen. Über die Einwirkung von Procain auf das Zwischenzellgewebe wird in der Regel dessen pH-Wert angehoben. Ein zu niedriger pH-Wert, also saures Gewebe, kann die Folge von Entzündung und Schmerz sein, er verstärkt die Schmerzempfindung von Nervenfasern.

Die Regulation der übergeordneten Regelkreise und Nervengeflechte hat auch einen Einfluss auf entfernte Körperregionen und deren Schmerzwahrnehmung.

 

 

Welche körperlichen Zustände können mit Neuraltherapie behandelt werden?

 

Schmerzen durch Verspannungen, nach Unfällen oder Operationen und Gelenkerkrankungen können durch die richtige Anwendung der Neuraltherapie gebessert und ihre Heilung initiiert werden. Auch in der Sporttherapie führt dies häufig zu einer rascheren Mobilisierung und Rehabilitation. Bei internistischen Erkrankungen können die Injektionen an übergeordneten Regulationszentren und Nervenknoten Einfluss auf die Energiezufuhr und Durchblutung der betroffenen Organe nehmen. Dies konnte in vielen Fällen belegt werden.

 

 

Was ist ein Störfeld? Wohin wird injiziert?

 

Injektionen an Narben, Wunden, auch an entzündete Zahnwurzeln oder behandelte Zähne können eine entspannende Wirkung auf weit entfernte Muskelgruppen haben. Auch scheinbar damit nicht in Zusammenhang stehende Schmerzen können verschwinden. Geschieht dies schlagartig, so spricht man vom sogenannten “Sekundenphänomen” nach Huneke.

 

Die Entdeckung des Sekundenphänomens erfolgte in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts durch den Düsseldorfer Internisten Dr. med. Ferdinand Huneke. Er unterspritzte eine alte Narbe am Unterschenkel eines Patienten, weil diese Reizerscheinungen zeigte. Dabei verwendete er das Medikament Procain. Schlagartig verschwanden die Schulterschmerzen, deretwegen er denselben Patienten schon seit längerem vergeblich behandelte.

 

Dr. Huneke definierte die Narbe, deren Unterspritzung zu einer Schmerzreduktion am entfernten Körperteil führte, als Störfeld. Er erforschte dieses zunächst für einen Zufall gehaltene Phänomen an vielen Patienten und vermutete, dass übergeordnete Regelkreise für die Heilung verschiedenster Zustände verantwortlich sein müssen.

 

 

 

Welche Reaktionen und Nebenwirkungen kann man erwarten?

 

Linderung der Beschwerden, manchmal auch vorübergehende sogenannte Erstverschlimmerung über 1 - 2 Tage

Verbesserung der Beweglichkeit

Aufspüren von bisher unbekannten Störfeldern, die sich melden können, wenn ein Schmerzgebiet optimal behandelt wird

 

Da die Injektionen von Procain oder anderen Lokalanaesthetika in gereizte oder entzündete Bereiche des Körpers und in Schmerzgebiete erfolgen, kann es zu Gegenregulation des vegetativen Nervensystems kommen und je nach Empfindlichkeit der Person zu vorübergehenden leichten Kreislaufstörungen. Deshalb ist es notwendig, mindestens 5-10 Minuten nach der Behandlung am Ort der Behandlung zu verweilen, möglichst in unmittelbarer Nähe einer Liege. 

 

Injektion an Gelenke: Bei Arthrosen  und rheumatischen Beschwerden kann mit Procain an alle Gelenke gespritzt werden. So ist es z.B. möglich, die Beweglichkeit der Fingergelenke auch in höherem Alter so zu verbessern, dass sogar Klavierspielen wieder möglich wird.

 

 

Die Neuraltherapie kann in den meisten Fällen parallel zur Schulmedizin oder einer anderen naturheilkundlichen Behandlung erfolgen. Oft kann beobachtet werden, dass das bisher vergeblich durchgeführte Behandlungsverfahren gleich welcher Art zu wirken beginnen. Dies wird der Lösung von Blockaden zugeschrieben.

 

 

Zeit und Kosten

 

Wegen der unterschiedlichen Erkrankungen, deren Behandlung mit der Neuraltherapie möglich ist, kann keine bestimmte Anzahl an Sitzungen genannt werden. Durchschnittlich 8-10 Sitzungen sind meistens notwendig, um Besserungen zu erzielen. 1-2 mal wird pro Woche behandelt. Da die Störfeldtherapie mit Diagnostik durch Applied Kinesiology und Narbenentstörung in dieser Praxis immer ein Teil der Neuraltherapie  ist, können diese Leistungskomplexe nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. In der GOÄ, der privaten Gebührenordnung sind die meisten Injektionen enthalten und eine Abrechnung über Privatversicherer ist möglich.